Ferienvermietung Riedel
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Deutscher Tourismusverband e.V.
Spuren des Erfolgs: Vom Skifahren zum Skisprung, vom Erzgebirge in die Welt
Echt Erzgebirge

Ski - Wie alles früher begann.

Wie alte skandinavische Überlieferungen belegen, existiert der Skilauf schon seit unendlich langer Zeit. Ski haben Norwegen jahrtausendelang Nutzen und Freude gebracht. Eine etwa 4.000 Jahre alte Felszeichnung aus Rödöy im norwegischen Fylke Nordland , der sogenannte Rödöymann ­ bezeugt, dass Ski in Norwegen schon in der Steinzeit benutzt wurden.

Steinzeichnung eines Skiläufers (Rödöymann) aus der SteinzeitIm Jahr 770 bezeichnete Paulus Diaconus die Bewohner Lapplands als "Skridfinnen" (gleitende Finnen). Wenngleich also das Skilaufen bereits Jahrtausende alt ist, wird es als Sport erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts betrieben.



Die Entwicklung setzte 1850 in Norwegen ein. Einer der ersten Pioniere und Fürsprecher für das Skifahren als Volkssport war der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen. Dem berühmten Forscher gelang es 1888, die Insel von Grönland in 46 Tagen von Küste zu Küste auf Ski zu durchqueren. Die Durchquerung fand im Winter von 1888 zu 1889 statt. Er sah keine andere Chance, das unerforschte Innere der riesigen Insel näher zu untersuchen, als es mit den zwar bekannten, aber doch noch weitgehend ungewohnten Ski zu probieren. Nansen wurde verspottet und gewarnt. Eine Zeitschrift seiner norwegischen Heimat schrieb damals vor Beginn der Expedition: "Im nächsten Jahr beabsichtigt der Konservator Nansen, eine Vorführung im Skilaufen zu geben, mit Langlauf über das grönländische Inseleis. Sitzplätze in den Gletscherspalten. Retourbilletts können gespart werden." Doch allen Spöttern zum Trotz: Nansen und seine vier Begleiter wären "ohne die Ski wohl nicht weit gekommen. Wir hätten entweder einen jämmerlichen Tod erlitten oder wären zur Umkehr gezwungen gewesen".
So berichtet er in seinem großen Tagebuch.

Die ersten mehr modernen Ski lassen sich auf die Mitte des 19. Jahrhunderts datieren. Doch das mit den Ski reicht so weit zurück, dass man es zeitlich nicht mehr erfassen kann. Deshalb kann man gut und gerne die Märchenformel "Es war einmal..." für die Entwicklung benutzen, als der Mensch sich ein paar Holzbretter unter die Füße band, um auf den langen Wegen in einem kalten Schneeland leichter und schneller vorwärts zu kommen. Das Wort Ski kommt von dem altnorwegischen skið, was auf eine Schiene oder ein Stück gehobeltes Holz hinweist. Der Begriff Ski setzte sich erst viel später im internationalen Sprachgebrauch durch, und zusammen mit slalåm bzw. slalom ist es eines der wenigen Wörter norwegischen Ursprungs, die international geworden sind. Das Charakteristische an Ski ist die Gleiteigenschaft, mit der man die Geschwindigkeit mittels Gleiten über den Schnee erhöhen kann.

In den verschiedenen Regionen von Skandinavien entwickelten sich die Ski unterschiedlich. Einige waren kürzer und leichter, andere breiter und länger. Alle waren teilweise kunstvoll verziert und können anhand des Musters der Region zugeordnet werden. In einigen Regionen benutzte man eine Zeit lang unterschiedlich lange Ski, einen Langski bzw. "Gleitski", gern bis zu 3 m lang, und einen kurzen "Schwungski", genannt Andor. Den Langski trug man links, den Andor rechts. Es gab Ski, deren Oberseite ganz flach war, wie es heute üblich ist, und andere, die einen runden oder spitzen Rücken hatten. Einige unterschieden auch zwischen linkem und rechtem Ski.

Genau so unterschiedlich waren auch die Unterseiten. Es gab ganz flache Unterseiten mit einer Längsrille. Diese konnten wiederum eine runde oder kantige Form haben. Auch die Holzart und die Art, wie die Ski aus dem Stamm geschnitten wurden, hatte viel zu sagen.
Ski aus Kiefernholz waren nach Überlieferung angeblich die Besten in einzelnen Regionen, wenn sie schon länger gebraucht waren.



„Setesdalsmädchen auf Ski“ Gemälde von Carl Sundt-Hansen aus dem Jahre 1889, heute im Skimuseum am Holmenkollen zu bewundern.

Es war so, dass sich unter anderem im norwegischen Telemark und auch anderswo besonders gute Skimacher in einzelnen Gebieten mit ihren Skiformen hervorhoben und nach diesen wurden diese dann auch benannt. Doch dabei gab es natürlich auch viele unterschiedliche Ausführungen.

Die Telemarkski in Norwegen erreichten eine für ihren Einsatzbereich vollkommene Form.
Die Ski hatten eine lange abgerundete Spitze und ein Breitenmaß von 8,4 cm an der breitesten Stelle vorne, 6,9 cm in der Mitte und 7,6 cm am Ende des Ski.

Die Ausrüstung wie Schuhe und Bindung waren jedoch noch nicht unbedingt auf dem gleichen Niveau wie die eleganten, schnellen Ski. Die entsprechenden Bindungen wurden erst ab ca. 1889 entwickelt, und 1927 wurde die erste Bindung patentiert.

<span class="important">Skisoldaten in Norwegen:</span>


Zu Beginn der Wikingerzeit wurde einmal ein Feldzug nach Nordnorwegen unternommen, wo die Wikingerkrieger gegen die Ureinwohner unterlagen, weil diese Ski hatten und gut zu gebrauchen wussten. Es war es ein dänische Wikinger, der nie im Leben gedacht hätte, dass skigewandte "Bauern" einem gutgeübten Kriegerheer überlegen sein könnten.  In der Zeit König Sverres, um 1200, hörte man zum ersten Mal von Soldaten auf Ski. Die beiden größten skandinavischen Skirennen, der Vasalauf in Schweden der von Sälen nach Mora, und der Birkebeinerlauf der von Rena nach Lillehammer ausgetragen wurde, haben ihren Ursprung im Mittelalter, zur Erinnerung an bemerkenswerte Skiläufe aus der Geschichte.



Gemälde von Knut Bergslien von 1869, welches die zwei Birkebeiner-Krieger darstellt, die das Königskind (den späteren König Håkon Håkonsson) im Jahre 1206 retteten

Diesen Skiläufern wird noch heute mit dem jährlich stattfindenden Birkebeinerrennen gedacht. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Skifahren auch zu dem wichtigsten Militärsport und ein guter Skisoldat musste Skischießen, zwei Abfahrtstechniken und Langlauf beherrschen. Heute verkörpert das Skischießen den Biathlon. Zudem mussten die Skisoldaten in der Abfahrt kleine Sprünge zum Passieren unebenen Geländes meistern.
 
Die Skitechnik des Telemark

Die Telemarker brachte im 19. Jahrhundert das "perfekte" Skimodell hervor. Hier gab es viele Höfe, die abseits lagen, und das Terrain war hügelig und teilweise steil. Viele hatten kein Geld für Pferd und Schlitten, doch niemand war zu arm, um Ski zu haben. Auch die Frauen mussten das Skifahren lernen. Mit einem Stab in der Hand sausten sie wie die Herren die Hänge hinunter. Diejenigen, die den Dreh raushatten, hatten "den Knick im Knie".
Es war eben in der Telemark, wo die Skier zum "Spaßgebrauch" und für Rennen, also den Skisport entwickelt wurden. Dank der steilen Hänge in der Telemark wurde Sondre Nordheim ein leidenschaftlicher Skiläufer. Er war ein guter Skiläufer und experimentierte viel. Er leitete mit seinen Erfindungen und Verbesserungen der Ausrüstung sozusagen die "Telemark-Epoche" ein. Sein unentwegtes Experimentieren mit Schwüngen und Sprüngen führte zur Erfindung der ersten Seilzugbindung: seine geniale Idee war es, die Skier mit Hilfe einer Weidenrute fest mit den Stiefeln zu verbinden.



Eine der ersten Ausführungen der Meerrohrbindung

Dadurch wurde das Schwingen erleichtert und das Springen ermöglicht und die Grundlage für den modernen Skisport war gegeben. Sondre Norheim wird deshalb als Vater des Telemarkschwungs bezeichnet, der heute über Norwegen hinaus in aller Welt seine Anhänger gefunden hat.



„Wenn man es ganz genau nimmt, so war die Seilzugbindung bzw. die Bindungsform, bei der mit Hilfe einer geflochtenen Weidenrute, die um die Sohle der Schuhe lief und die Schuhe fest mit der "Zehbindung", d.h. dem Bogen aus Weidenholz oder Lederriemen, durch den der Vorderfuß gesteckt wurde, verband, schon aus dem 17. Jahrhundert bekannt. Sondre Nordheim hat sie wahrscheinlich bei anderen Skifahrern gesehen, sie abgeschaut und verbessert und mit ihrer Hilfe den Telemarkschwung entwickelt.“



Telemark

Das Besondere des Telemarkschwungs ist, dass man die Füße voreinander stellt, den Außenski vor den Innenski, und schwingt, indem man das Gewicht komplett auf den Außenski verlagert, in die Knie geht und den Innenski ohne Gewicht mit um die Kurve zieht. Selbstverständlich werden beide Ski parallel geführt!

Anfang der Skirennen

Mit der Technik der Telemark entwickelten sich zwei Richtungen innerhalb des Skisports, zum einen die Abfahrt und zum anderen das Skispringen. Zur Abfahrt gehörte aber auch der Slalom, wie die alpinen Disziplinen generell noch heute im Norwegischen Sprachgebrauch heißen.

Grundlegendes Merkmal für beide Richtungen waren jedoch der Telemarkschwung bzw. der Telemark-Aufschlag speziell beim Springen. Um 1890, als das Skispringen langsam entwickelt wurde, galt es jedoch bei der Ausführung vor allem hoch zu springen, statt wie heute ausgeführt, große Weiten zu erreichen. Nach geschichtlicher Überlieferung fand 1843 in Norwegen das erste Skirennen statt. Es war ein Langlaufrennen, vielleicht mit eingebauten Abfahrtsstrecken. 1866 nahm das Ganze schon weiter Formen an, als in der Hauptstadt Christiania in der Arena Iverslökka ein Skirennen organisiert wurde, an dem wohl um die zweihundert Skifahrer teilnahmen, die teilweise aus der Telemark angereist waren.
Der Skisport verbreitete sich immer weiter, sodass die norwegischen Auswanderer den Skisport in der neuen Welt und Ozeanien internationalisierten.
Dies war dann auch der Auslösern für die Verbreitung des Skifahrens unter anderem in den Alpen und im Erzgebirge. Wo die Entwickelt auf ähnliche Art und Weise weitergeführt wurde.


Die Entwicklung des Skilaufes in den Alpen
 
Die Entwicklung des Skisports überhaupt ist zweifelsohne Skandinavien. Die Wiege des alpinen Skisports jedoch liegt, wie schon sein Name sagt, in den Alpen. Die ersten Schneepioniere Österreichs waren nach Überlieferungen steirische Gefolgsleute. Der Grazer Kleinoscheg und der "Postwirt" Toni Schruf aus Mürzzuschlag ließen sich als erste Ski aus Skandinavien kommen, um das Skifahren auszuprobieren.
Sie verwendeten die Skier natürlich zuerst als Aufstiegshilfen und veranstalteten auch Rennen, wo nicht nur Männer teilnahmen, sondern auch Damen. 1894 organisierten sie eine Wintersportausstellung und bauten die erste Skihütte im Alpenraum - die Nansenhütte auf dem Stuhleck.



Lieber Petrus mein, lass recht tüchtig Schnein, in die Täler, auf den Höhn, Schneeschulaufen ist so schön. Lieber Petrus höre, uns auch Frost beschere, dann wollen wir dir singen, dann wollen wir dir bringen .Wir dir, allweil, ein dreifaches Schi-Heil, Schi-Heil, Schi-Heil!

Der Skisport verbreitete sich in Windeseile in ganz Österreich. Franz Reisch wurde zum "Skivater" Tirols, als er 1893 das erste Mal einen Berg mit Ski bestieg. Er legte damit den Grundstein für den Aufstieg Kitzbühels zu einem Wintersportzentrum.
Auch am Vorarlberg gab es begeisterte Skifahrer, wie Viktor Sohm und Willy Rickmer.
Die Einführung dieses neuen Sports brachte auch die Entwicklung neuer Skitechniken, angepasst an das steile Gelände der Alpen, mit sich. Die "Alpine Skifahrtechnik" von Mathias Zdarsky in Lilienfeld entwickelt, basiert auf dem Stemmschwung. Oberstleutnant Georg Bilgeri vom Vorarlberg baute diese Technik weiter aus. Seine Neuerung bestand im Ski mit Rille und in der Verwendung zweier Skistöcke.1905 veranstaltete Mathias Zdarsky am Muckenkogel bei Lilienfeld den ersten Riesenslalom in der Geschichte des alpinen Skilaufs.
Trotzdem war es die Skitechnik Bilgeris, die weltberühmt wurde, weil sich die Arlberger, welche international eine größere Rolle spielten, ihrer annahmen. Viktor Sohm, Karl Gruber und Dr. Madlener organisierten auch die ersten Skikurse am Arlberg. Ihr Schüler, Johannes Schneider, der anfangs als Skilehrer im "Hotel Post" arbeitete, wurde zum Gründer der "Arlbergschule". Sie wurde auf der ganzen Welt bekannt.

Hannes Schneider kam durch Dr. Arnold Franck und den Kameramann Sepp Allgeier auch zum Film. "Fuchsjagd im Engadin" und der erste Tonfilm über den alpinen Skilauf: "Der weiße Rausch" sind heute Kultfilme des weißen Sports. 1901 wurde in St. Anton ein Skiklub, und 1905 der österreichische Skiverband gegründet. Am 1. März 1903 fand das erste Arlberg-Rennen statt. Auch in der Schweiz entwickelte sich der Skisport, besonders unter der Patronanz englischer Adeliger. 1922 wurde in Mürren eine Art Slalomrennen zu Ehren Lord Roberts of Kandahar veranstaltet. 1927 kam ein englischer Reiseunternehmer, Arnold Lunn, auf den Arlberg und wurde ein guter Freund Hannes Schneiders. Gemeinsam gründeten sie das Arlberg-Kandahar Rennen, das aus zwei Disziplinen, nämlich Slalom und Abfahrt bestand.

Mit dem Bau der ersten Seilbahn auf den Galzig begann aber erst der Skitourismus auf dem Arlberg. Ein weiterer Schritt zur Weiterentwicklung des österreichischen Skisports war die Gründung einer staatlichen Stelle zur Skilehrerausbildung 1926 in St. Christoph am Arlberg. Die ersten Leiter waren Prof. Ernst Janner und von 1930 an Otto Rzipa. Berühmt aber wurde Stefan Kruckenhauser, der Erfinder der "Gegenschultertechnik" und des Wedelns und Franz Hoppichler.


Entwicklung des Skilaufes im „Oberen Erzgebirge“ am Fichtelberg

Schon immer ließ wohl die 4. Jahreszeit hier im schönsten Teil des so prächtigen, aber doch recht rauen Mittelgebirges in 900 -1214 m Höhe ihre Macht spüren, und die Menschen mussten damit fertigwerden:

„In hiesiger Gegend liegt der Schnee 2-3 Ellen hoch, in Hohlwegen 20-30 Ellen tief'“ schreibt Merkel 1797 und weiter: "Die Bewohner dieses sächsischen Nordpols verstehen sich gleich den Lappländern auf den Gebrauch von Fußbrettern und gleiten damit kunstvoll und schnell über den tiefsten Schnee".

Engelhard berichtet in seiner Vaterlandskunde 1824, "dass sich die Erzgebirger zum Fortkommen im Winter kleiner an die Füße geschnallter Holzbretter bedienten". Gebirgserosionen auf unserer Mutter Erde vor Millionen von Jahren schafften die Voraussetzungen für den später einsetzenden wirklichen Skisport. Jene "Gebirgsscholle", die erst spät im Zuge der menschlichen Besiedlung den Namen Erzgebirge erhielt, wurde in den brodelnden Prozessen vor 60 Millionen Jahren asymmetrisch gehoben, eine "Pultscholle" mit von Nord nach Süd ansteigender Nordabdachung, reliefarmer Kammhochfläche mit aufgesetzten Einzelbergen und steilem Abfall nach Süden. Und am obersten Rand der Nordabdachung dem 1214 m hohen, heutigen Hausberg, unserem Fichtelberg, entstanden prächtige stark abfallende größere und kleinere Flächen, längere und kürzere Abfahrten, steilere und flachere Teile. Und lassen sie sich auch in ihren Ausmaßen keinesfalls mit denen im Hochgebirge vergleichen, so bildeten sie doch beste Voraussetzungen für den später einsetzenden "weißen Sport", für alt und jung, Lernende und Meister.

In der heute wieder recht bekannt gewordenen Zeitung des Erzgebirges „Glück Auf“ schreibt der Chemnitzer E. Weinhold im August 1904 im Rahmen einer mehrteiligen interessanten Darlegung "Der Fichtelberg und seine Umgebung":

"... Aber die Schneeschuhe in ihrer jetzigen Gestalt haben doch erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit hier oben Eingang gefunden. Freilich, mit unbedingter Sicherheit, das Jahr anzugeben, wann die ersten Skiläufer den Fichtelberg betreten, wird wie dies bei vielen ähnlichen Kulturerscheinungen der Fall ist, nicht möglich sein. Aber im Fremdenbuche findet sich im Jahre 1893, im Monat Februar, ein Gedicht, betitelt "Die ersten Schneeschuhe auf dem Fichtelberge". Vom "Strande der Zwickauer Mulde" hatten sich die Fahrer und Fahrerinnen, zusammen 8 Personen, eingestellt. Von da an scheint das Schneeschuhlaufvergnügen immer mehr in Mode gekommen zu sein."

Doch gewiss erzeugte diese "Neuerung" beim etwas verschlossenen Erzgebirger zunächst wenig Interesse, vielleicht nur Spott und Kopfschütteln, über jene Männer und Frauen mit den "Langen Dingern" an den Füßen, die sich durch den weißen weichen Schnee in unseren Wäldern bewegten. Und mancher stimmte wohl in die Aussage eines Berichtes über Tellerhäuser vom Jahre 1893 ein:

"De Leit warn immer olberer. Mir sei froh, wenn mor esu durchn Schnee kumme, un die horn a noch Bratter an de Füß nah gemacht!". (erzgebirgische Mundart)

Selbst die Kinder zogen trotz ihres angeborenen Nachahmungstriebes ihre traditionellen "Käshitscheln" (einfache Rodelschlitten), auf denen sie ihrer sportlichen Begeisterung nachgingen, den "spitzigen olbrigen Holzdingern" vor.



Mehr Interesse hatten diese ersten "Ski" wohl beim Fichtelbergwirt Brutus Fleischmann erweckt, der für seinen Sohn durch Vermittlung des heimischen Forstmeisters Timäus ein Paar der "Langen Dinger" aus Schweden kommen ließ, die der Oberwiesenthaler Stellmachermeister Hermann Schaarschuh in seiner einfachen Werkstatt kopierte und zu der in der Oberwiesenthaler Sattlerei von Gustav Göbel die erste Rohrbindung gefertigt wurde. Der Pionier und Förderer des organisierten Wintersportes in OberwiesenthaI, Ralph Müller, selbst ein heimatverbundenes Ortskind, erinnerte sich, wie Fleischmanns Sohn sich dieser "Oberwiesenthaler Erfindung" bediente und "von uns Jungens ob der merkwürdigen Hölzer und des Riesenstockes, auf dem er bei der Abfahrt saß, als Wunder bestaunt und verehrt wurde". Doch weiter bemerkte er:

"Uns imponierten die langen Hölzer und die ungeschickte Handhabung dieser nicht sonderlich lange. Wir zogen das Ruscheln als bodenständige Kunst vor und blieben ihr treu."

Der Eisenbahnbau der Schmalspurbahn von Cranzahl nach Oberwiesenthal (1895-1897) brachte für "die neue Kunst" eine Wende: Unter den zeitweilig bis zu 500 bei diesem Bau tätigen Arbeitern befanden sich auch Norweger, Schüler des Mittweidaer Technikums und Studenten der Dresdner Hochschule, zu denen auch der junge angehende Ingenieur Trygne Olsen gehörte. Dieser erst 20 Jahre junge Mensch sah den schönen Schnee, die weiten Hänge Oberwiesenthals, und bald trafen seine Ski aus Norwegen ein. Hören wir weiter Ralph Müller:

"Er übte und fuhr mit den langen Brettern und begeisterte uns mit seiner Kunst. Wir beschnüffelten nach Überwindung anfänglichen Misstrauens zur Person Olsens seine Ausrüstung. Mit langen Riemen band er sich die Hölzer unter die Füße. Hinter diese Befestigungsart sind wir als Jungen nicht gekommen. Daheim erzählten wir von den Künsten des merkwürdigen Mannes, "der sogar den Schönjungferngrund nei fuhr" (erzgebirgische Mundart), das war für uns eine Leistung, als wenn heute jemand nach Amerika fliegt." Wir wissen nicht viel von jenem Norweger, dem es doch gelang, die Herzen der Wiesenthaler Jugend zu gewinnen und sie für den neuen "weißen Sport" zu begeistern.


Eine der ersten Ausführungen der Riemenbindung

Schon bald fand der große Wunsch vieler Erfüllung, und auf dem Weihnachtsgabentisch lagen ein Paar lange Ski aus heimischer Produktion. Bildüberlieferungen von Olsen sind nicht vorhanden. In einer Sammlung von Teilnehmerlisten eines" Akademischen Abends" der Eisenbahnbauer in Kretscham-Rothensehma über die Jahre 1895-1897 lesen wir mehrfach seinen Namen "Trygne Olsen". Mit dem Vornamen konnten anscheinend die Wiesenthaler Jungen gar nichts anfangen: Sagten sie vielleicht deswegen einfach "Harry" zu ihm, denn unter diesem Namen ging er in die Geschichte ein? Hinter seinem Namen vermerkt er auch teilweise "Oberwiesenthal", was wohl besagt; dass er hier wohnte, wenn auch nicht klär bar ist, ob er ständig hier war, schreibt doch Müller: "Hier im Gelände der Bahnbrücke Oberwiesenthal erteilte Olsen seinen Unterricht, der aber nur kurze Zeit währte, da vermutlich Olsen versetzt wurde".

Bei einer Eintragung vermerkt er auch seinen Geburtstag, den 13. Februar 1875. Auf jeden Fall gelang es ihm in seiner Freizeit, einige Jugendliche für den neuen Sport zu begeistern, ihren Ehrgeiz zu entfachen und erste Wettbewerbe zu organisieren. Die ersten Funken für ein organisiertes Skifahren waren gestreut, und sie sollten in den folgenden Jahren zu Flammen werden, wenn auch Müller weiter traurig schreibt: "Der Lehrmeister Olsen war weg (1897) und aus uns wurden schlimme Autodidakten mit Hörnerschlittenspurweiten".



Pioniere und Förderer des organisierten Wintersportes am Fichtelberg

Dr. Erwin Jaeger ( geb.1870 in Köln, gest.1955 in Kurort Oberwiesenthal) Als weltoffener, fortschrittlicher und vielinteressierter Mensch und Arzt erkannte er schon um 1900 die große Bedeutung des Skilaufs für die Gesundheit und als Volksertüchtigungsmittel. Er warb nicht nur mit Worten an den Stätten seines Wirkens in Sachsen und besonders im oberen Erzgebirge: Selbst ein begeisterter Skifahrer, stand er noch 80-jährig bei seinen Patientenbesuchen auf den "langen spitzen Brettern". Als Mitbegründer des Sächsischen Skiverbandes und dessen zeitweiliger Präsident wirkte er auch bei der Gründung des Skiclubs Ober- und Unterwiesenthal (1906) mit, nahm an dessen Entwicklung hohen Anteil und brachte viele Veranstaltungen nach Oberwiesenthal. Wenn er auch 1924-28 als Präsident der Mitteldeutschen Rundfunk-AG in Leipzig fungierte, verstummte doch nie sein Werben für den "weißen Sport", zog es ihn immer wieder ins Erzgebirge, zum Fichtelberg, nach Oberwiesenthal, welches ihm 1925 bereits die Ehrenbürgerwürde verlieh. Später praktizierte er in Bärenstein und Oberwiesenthal. Bis zu seinem Lebensende war er immer für seine Patienten, Sport und Kultur, die Jugend und Oberwiesenthal da. Im Gelände der Oberwiesenthaler Schanze wurde seine Urne beigesetzt; im alljährlich stattfindenden Dr.-Jaeger-Gedenklauf findet der Pionier und Förderer des Wintersportes am Fichtelberg seine höchste Anerkennung.

Ralph Müller (geb. 1886 in Unterwiesenthal, umgekommen 1946). Ein Ortskind, Nachkomme erzgebirgischer Posamentierer, die eine Umstellung vom häuslichen Posamentiererstuhl zur Fabrikarbeit vollzogen und den Markt mit neuen "Posamenten" (Saiten) eroberten. Als Fabrikbesitzer stand er in unserer Kleinstadt als Stadtrat, stellvertretender Bürgermeister, in Vereinen und Institutionen ständig in der Öffentlichkeit, blieb jedoch immer "dor Wiesentholer Satn-Müller-Ralph". Als Junge erlebte und bewunderte er Olsen, erlernte bei ihm das Fahren, Laufen und Springen mit den zuvor gemiedenen langen Brettern. Sehr zeitig erkannte er im Skisport eine Möglichkeit, Oberwiesenthal und somit das Obere Erzgebirge "zu neuen Ufern" zu führen, es für den Tourismus zu erschließen. Er wurde zu einem der aktivsten Gründer des Skiclubs, war jahrzehntelanger Vorsitzender und ständig bester Berater. Immer suchte und fand er neue Wege, Materielles zu steuern und den Wettkämpfern Mut und Unterstützung zu geben. Wegen seiner hervorragenden Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Bruno Böttger, "Dor Gruße",( geb. 1890 in Oberwiesenthal, gest. 1967 daselbst). Zu recht trug der heimatverbundene, spätere Kartonagenarbeiter seinen Hausnamen: Groß war er von Statur - groß in Kindheit und Jugend als Sportler, wo er schon auf einfachsten Schanzen Weiten von 15 und mehr Metern meisterte - groß und bekannt war er während seines ganzen Lebens als Sportfunktionär. Beginnend im 2. Jahrzehnt dieses Jahrhunderts wurde er zum Motor des Skiclubs (1. Vorsitzender, technischer Vorsitzender) und in dessen Nachfolgeorganisationen. 1921 wurde er als einer der ersten Amateurskilehrer anerkannt. Zeitig übernahm er die verschiedensten Funktionen bei Wintersportveranstaltungen im Ort, im Kreis, in Sachsen, in Deutschland und organisierte selbst mehr als 200 Wettstreite. Was er anfasste, hatte Hand und Fuß! Besonderes Augenmerk richtete er auf das Kampfrichterwesen und wirkte mehrfach als Obmann. Nach Kriegsende war er als einer der ersten wieder an Loipen, Pisten und Schanzen zu finden: "Dor Gruße", der einfache, freundliche Mensch, der Helfer der sportbegeisterten Jugend, der aus dem Wintersport der Heimat und Deutschlands nicht wegzudenken ist.



<span class="important">Anmerkung der Redaktion:</span>

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Im Zuge der Recherche über die Entwicklung des Skifahrens wurde festgestellt, dass es eine Vielzahl von Darstellungen in den einzelnen Ländern und Skiregionen gibt. Aus diesem Grund wurden hier nur drei Regionen ausgewählt, die versinnbildlichen sollten, wie sich das Skifahren wahrscheinlich entwickelt hat.

Gern ist die Redaktion bereit, auch Darstellungen aus anderen Regionen mit aufzunehmen, wenn sie der Redaktion zugearbeitet werden.

An dieser Stelle möchten wir uns bei all den Skimuseen und Privatpersonen bedanken, die uns Berichte und Bilder aus der Geschichte des Skisports bereitgestellt haben, damit unser Internet-Angebot so vielseitig wie nur möglich wird - und vor allem auch Außenstehenden vermittelt werden kann, wie es mit dem Skifahren begann.